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Was an der Zukunft wirklich sicher ist

Wer über die Zukunft nachdenkt, stößt schnell auf Spekulation. Dieser Text versucht das Gegenteil: zu sortieren, welche Entwicklungen tatsächlich als gesichert gelten können – bei KI, Robotik und Klima – und was daraus für die Arbeitswelt und die nächste Generation folgt.

Was an der Zukunft sicher ist: KI, Klima und das Ende alter Arbeit

Wenn ich über die Zukunft nachdenke, dann meistens nicht abstrakt, sondern konkret an einem Punkt: Was werden meine Kinder in zwanzig oder dreißig Jahren tun, und wie wird die Welt aussehen, in der sie das tun. Das Gefühl, dass sich vieles drastisch ändern wird, teile ich. Nur hilft mir dieses Gefühl wenig, solange ich nicht trenne, was davon Spekulation ist und was nicht.

Also habe ich angefangen, die Zukunftsvisionen auf zwei Stapel zu legen. Auf den einen kommt alles, was unsicher, hypothetisch und spekulativ ist. Auf den anderen kommt das, von dem ich mit ziemlicher Sicherheit ausgehen kann, dass es so oder so ähnlich passieren wird. Mich interessiert vor allem der zweite Stapel, weil sich nur aus ihm etwas Belastbares ableiten lässt.

Der unsichere Stapel

Auf den unsicheren Stapel gehört viel von dem, worüber gerade laut geredet wird. Ob wir in absehbarer Zeit zum Mars fliegen, weiß ich nicht. Irgendwann sicher, aber ob das in der Lebensspanne meiner Kinder geschieht, ist offen. Ob wir einen funktionierenden Fusionsreaktor bauen, ist genauso wenig kalkulierbar. Ob wir uns mit Atomwaffen in die Luft jagen, ob die Klimakatastrophe den Planeten vollständig unbewohnbar macht, ob eine KI die Menschheit auslöscht, all das halte ich nicht für ausgeschlossen, aber eben auch nicht für gesichert. Schon gar nicht für die nächsten Jahrzehnte.

Diese Dinge sind interessant, aber als Planungsgrundlage taugen sie nicht. Man kann sein Leben nicht an einem Ereignis ausrichten, dessen Eintreten man nicht beziffern kann.

Der sichere Stapel: zwei Kurven, die sich kreuzen

Der zweite Stapel ist kleiner, aber deutlich gesicherter. Und das gesamte Bild, das sich daraus ergibt, hängt an einer einzigen Bewegung: Zwei Kurven laufen aufeinander zu.

Denken und Herstellen werden fast gratis: KI und Robotik sind unaufhaltsam

Die erste Kurve betrifft die Arbeit. Als Softwareentwickler bin ich überzeugt, dass in wenigen Jahren kaum noch jemand manuell Code schreibt. Von einigen Ausnahmen abgesehen. Ob das in drei, vier oder zehn Jahren so weit ist, kann ich nicht genau sagen, aber die Richtung halte ich für eindeutig. Das ist meine Sicht aus dem eigenen Fach, und genau dieselbe Logik greift überall sonst auch.

Sehr viel von dem, was Angestellte heute am Schreibtisch tun, ist im Kern nicht zwingend regelbasiert, aber intellektuell strukturiert abarbeitbar – und damit durch eine KI bzw. ein LLM zu bewerkstelligen. Eine juristische Prüfung, ein Standard-Report, ein Stück Software, die Kosten dafür fallen Richtung null. Nicht weil es technisch geht, sondern weil ein Mensch teuer ist und eine Maschine nicht. Die Ökonomie kennt da keine Sentimentalität. Sobald menschliche Arbeitskraft relativ zur maschinellen Alternative signifikant teurer ist, führt das zwangsläufig zur Automatisierung. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie es anders kommen sollte.

Die Robotik hängt ein paar Jahre hinterher, weil sie investiver ist. Niemand kauft sich mal eben einen humanoiden Roboter und spielt damit herum. Unternehmen beginnen allerdings die gerade damit. Man muss den Versprechen der Branche, allen voran denen von Elon Musk, nicht jedes Wort glauben. Die serienreife Markteinführung humanoider Roboter wird vielleicht nicht schon 2027 stattfinden, ganz sicher aber wenige Jahre später. Damit wandert dieselbe Logik in die Lagerhalle, auf die Baustelle, in die Pflege. Körperliche Arbeit galt lange als sicher, weil Hände schwer zu ersetzen sind. Das war die erste Welle für den Schreibtisch und ist die zweite für alles andere.

Stabilität wird teuer

Die zweite Kurve läuft genau andersherum. Beim Klima sind sich die ernsthaften Wissenschaftler einig, dass wir mindestens massive Veränderungen erleben werden. Die Bandbreite liegt grob zwischen zwei und viereinhalb Grad, und unter zwei ist realistisch kaum noch etwas zu holen. Eine massive Kehrtwende in der Klimapolitik findet nicht statt, eher das Gegenteil. Wir bauen Gaskraftwerke, um Rechenzentren zu versorgen, und die militärischen Konflikte nehmen zu statt ab.

Ich gehe daher eher von drei oder vier Grad aus. Ok, zugegeben, das ist jetzt nur geraten, aber ganz unabhängig davon, ob es zwei, drei oder vier Grad werden: Was sich daraus für die nächsten fünfzig Jahre ableitet, also für die Lebensspanne meiner Kinder, ist ein massiver, gesicherter Impact. Manches davon ist konkret absehbar: häufigere Unwetter, Dürren, Ernten, die unzuverlässiger werden, Küsten, die unsicherer werden, Regionen, die unversicherbar werden. Extremwetter gehört dann zum Hintergrundrauschen, Migration wird zur Dauerlage. Riesige Ströme von Klimaflüchtlingen, politische Verwerfungen durch massiv geänderte Ressourcenlage und Ressourcenknappheit . Anderes ist weniger gesichert, etwa das genaue Tempo des Meeresspiegelanstiegs. Aber es lässt sich ein deterministisches Mindestmaß an Veränderung herausarbeiten, von dem man ausgehen kann.

Der Kreuzungspunkt

Der Punkt, an dem sich diese beiden Kurven treffen, ist die Welt, in der meine Kinder arbeiten werden. Wir können fast alles billig produzieren. Nur keinen stabilen Ort zum Leben. Die Ironie liegt offen da: Wir bauen die Kraftwerke für die Intelligenz, die uns retten soll, mit der Energie, die das Problem vergrößert.

Der Widerspruch, den niemand gelöst hat

Aus der ersten Kurve folgt ein Spannungsfeld, das bisher niemand auflöst. Automatisiert wird, weil der Mensch der teure Posten ist. Derselbe Schritt nimmt ihm das Einkommen, von dem er konsumiert. Die Frage, wer kauft, wenn die Mehrheit nicht mehr über Arbeit am Wohlstand hängt, wird kommen. Das ist sicher. Die Antwort ist es nicht.

Sie reicht von Grundeinkommen und Umverteilung bis zu einer Gesellschaft, in der wenige die Maschinen besitzen und der Rest zusieht. Das ist der politische Kampf der nächsten zwanzig Jahre. Den Ausgang kenne ich nicht. Dass darum gekämpft wird, weiß ich.

Das Sichtbare ist der einfachere Teil

Der Alltag verändert sich auf eine Weise, die sich gut vorhersagen lässt. Selbstfahrende Autos gibt es bereits, sie werden zur Regel, das eigene Fahrzeug zur Ausnahme, Mobilität zum Dienst. Das Smartphone hört auf, ein Kasten zu sein, und wird zur sprechenden Schicht zwischen uns und allem anderen. Jeder trägt einen Assistenten, einen Lehrer, einen Verhandler in der Tasche. Entlastung und Abhängigkeit im selben Gerät.

Die Generation, die das alles für selbstverständlich hält, sitzt heute in der Grundschule. Die Jugend gibt uns immer einen Vorgeschmack auf das, was kommt, und sie wird sich nicht zurückentwickeln. Sie wird erwachsen werden, und die Gesellschaft wird ungefähr so aussehen, wie diese Jugend heute aussieht. Über sie zu schimpfen bringt nichts. Sie wird die Probleme lösen müssen, ihre Vorgänger erzeugt haben. So war es immer.

Was das für ein Kind bedeutet, das heute eingeschult wird

Nahezu jeder Beruf, den ich heute benennen kann, ist ein Kandidat für die Automatisierung. Es ergibt keinen Sinn, ein Kind auf vierzig Jahre Buchhaltung vorzubereiten.

Was bleibt, ist schwerer zu greifen und gerade deshalb wertvoll. Die richtige Frage stellen, wenn jede Antwort gratis ist. Maschinen führen, statt mit ihnen um denselben Output zu konkurrieren. Vertrauen und echte Nähe, weil das nicht skaliert und deshalb teuer bleibt. Und mit Instabilität umgehen, als wäre sie der Normalfall. Weil sie es sein wird.

Ich bereite mein Kind nicht auf eine Zukunft vor. Ich bereite es darauf vor, dass die Zukunft sich schneller dreht als jede Ausbildung, die ich ihr entgegenhalten könnte. Das ist die einzige Vorhersage, auf die ich wirklich wetten würde.

Und genau hier liegt der Trost. Denn diese Fähigkeiten – neugierig fragen, Vertrauen schenken, Wandel als Möglichkeit begreifen – sind nichts Neues. Es sind die zutiefst menschlichen Eigenschaften, die uns schon immer durch jede Umwälzung getragen haben. Kein Werkzeug, so mächtig es auch sein mag, kann sie ersetzen. Im Gegenteil: Je mehr Maschinen uns die Routine abnehmen, desto mehr Raum entsteht für das, was uns ausmacht. Mein Kind tritt nicht in eine Welt ein, die ihm seinen Platz streitig macht, sondern in eine, die ihm mehr Möglichkeiten eröffnet, als ich sie je hatte. Und wenn ich ihm Mut, Flexibilität, Offenheit und die Freude am Lernen mitgeben kann, dann ist das das Beste, was ich tun kann. Und ich bin zuversichtlich, dass es seinen Weg finden wird. Gerade weil die Zukunft offen ist.

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