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Begriffe aus der KI-Welt: Dreaming

Ein Sprachmodell lernt im Betrieb nichts dazu. Was ein KI-Agent behalten soll, schreibt er in Memory-Dateien, und die werden mit der Zeit unordentlich. Dreaming ist der Durchlauf zwischen den Sessions, der dieses Gedächtnis aufräumt. OpenClaw, ein Plugin für Hermes Agent und, nach Community-Berichten, Claude Code machen das jeweils anders.

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Dreaming ist ein Durchlauf zwischen den Arbeitssitzungen, in dem ein KI-Agent zurückschaut, was in den letzten Sessions passiert ist, und daraus sein Gedächtnis aufräumt: Wiederkehrendes wird behalten, Doppeltes zusammengeführt, Veraltetes verworfen.

Ein Gedächtnis, das von allein unordentlich wird

Ein Sprachmodell lernt im Betrieb nichts dazu. Was ein Agent über eine Session hinaus wissen soll, muss er sich aufschreiben, meist in Memory-Dateien, also Textdateien, die jede neue Session wieder einliest. Dieses Gedächtnis wächst nebenbei und ohne Plan. Einträge doppeln sich oder widersprechen sich, manche veralten, und Angaben wie „gestern“ verlieren nach einem Tag ihren Sinn. Anderes wird nie notiert, weil es erst über mehrere Sessions sichtbar wird: dieselbe Vorliebe, dieselbe Korrektur, dieselbe Rückfrage.

Dreaming setzt hier an, außerhalb der eigentlichen Arbeit, oft nachts. Das Modell selbst ändert sich dabei nicht, trainiert wird nichts. Geändert wird nur der Kontext, den künftige Sessions lesen. Der Name lehnt sich an den Schlaf an, in dem das Gehirn den Tag sortiert.

Wer entscheidet, was bleibt

Der heikle Teil ist der Filter. Übernimmt der Agent jede Beobachtung, wird das Gedächtnis nur schneller unübersichtlich. Die bekannten Umsetzungen lösen das unterschiedlich:

  • OpenClaw bewertet Kandidaten nach sechs gewichteten Signalen, darunter Relevanz, Häufigkeit und die Vielfalt der Anfragen, in denen etwas auftauchte. Nur was Mindestwerte erreicht, kommt ins Langzeitgedächtnis.

  • hermes-dreaming, ein Community-Plugin für Hermes Agent von Nous Research, lässt nachts zuerst ein Skript ohne KI laufen. Ein Fakt gilt dort erst als bestätigt, wenn Menschen ihn an verschiedenen Tagen erwähnt haben; was der Agent selbst schreibt, zählt nicht. Den Agenten weckt das Skript nur, wenn es etwas zu entscheiden gibt.

  • Für Claude Code beschreiben Community-Berichte eine Funktion „Auto Dream“, die nach mindestens 24 Stunden und fünf Sessions das Memory zusammenführt und relative Daten in absolute umwandelt. Offiziell dokumentiert ist sie nicht.

Die Hermes-Regel zeigt, worum es geht: Ohne sie könnte ein Agent eigene Vermutungen so lange wiederholen, bis sie wie Fakten aussehen.

Eine Nacht bei OpenClaw

Bei OpenClaw läuft Dreaming laut Dokumentation standardmäßig um 3 Uhr, in drei Phasen und fester Reihenfolge (Stand Oktober 2026).

Angenommen, ein Nutzer hat am Montag beim Planen einer Reise erwähnt, dass er vegetarisch isst, und am Donnerstag noch einmal bei einer Rezeptfrage. Am Mittwoch hat er nebenbei einen Zahnarzttermin genannt.

In der Phase Light sammelt der Agent aus den Notizen der letzten Tage Kandidaten, entfernt Dubletten und markiert, was erneut auftauchte. Beide Themen landen auf der Liste, ins Gedächtnis geschrieben wird noch nichts. In REM sucht er nach Themen und Mustern über die Tage hinweg und hält sie in einem eigenen Abschnitt fest, ebenfalls ohne das Gedächtnis zu ändern. Erst Deep bewertet: Die Ernährung kam an zwei Tagen und in zwei verschiedenen Zusammenhängen vor, sie erreicht die Schwellen und wird in MEMORY.md geschrieben. Der Zahnarzttermin kam einmal vor und bleibt draußen.

Nachvollziehbar wird das über die Datei DREAMS.md, ein Traumtagebuch mit einer Zusammenfassung, was hinzukam, zusammengeführt oder ersetzt wurde. Die vorherige Fassung von MEMORY.md wird vor jeder Änderung gesichert, und mit openclaw memory promote-explain lässt sich abfragen, warum ein Kandidat übernommen wurde oder nicht. Am nächsten Morgen weiß der Agent, dass der Nutzer vegetarisch isst. Den Zahnarzttermin findet er im Langzeitgedächtnis nicht.

Dreaming bei Claude

Claude Code hat zwei Gedächtnisse. Die Datei CLAUDE.md schreibt der Mensch: Regeln und Anweisungen, die jede Session liest. Daneben führt Claude selbst Notizen zu Korrekturen und Vorlieben, in einem Ordner pro Projekt mit dem Index MEMORY.md, von dem beim Start nur die ersten 200 Zeilen geladen werden. Einen offiziell dokumentierten Aufräumlauf dafür gibt es nicht (Stand Oktober 2026), „Auto Dream“ kennt man nur aus Community-Berichten. Aufräumen ist hier Handarbeit: Die Notizen sind Markdown-Dateien, die sich mit /memory öffnen und bearbeiten lassen, oder Claude bekommt ausdrücklich den Auftrag, Doppeltes zusammenzuführen und Veraltetes zu streichen.

Auf der Claude-Plattform für eigene Agenten, den Managed Agents, gibt es dagegen seit 2026 Dreams, bislang als Research Preview. Ein Dream liest einen Gedächtnisspeicher und bis zu 100 vergangene Sessions und schreibt daraus einen neuen, aufgeräumten Speicher. Der alte bleibt unverändert. Ein Mensch prüft das Ergebnis und entscheidet, ob der Agent künftig mit dem neuen Speicher arbeitet. Einen festen Zeitplan gibt es nicht: Ein Dream wird per API gestartet, ein nächtlicher Lauf ist Sache des eigenen Systems.

Für Wissen, das ein ganzes Team braucht, taugt das automatische Gedächtnis von Claude Code ohnehin nur bedingt, denn es liegt auf dem eigenen Rechner. Was bleiben soll, gehört in die CLAUDE.md im Repository, wo jede Änderung versioniert ist und alle sie sehen.

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