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Agentic Company Experience - Part 1: Gründung einer Kita-Gruppe

Die ersten Schritte beim Aufbau einer Multi-Agenten-Firma mit der OpenClaw-Plattform. Die Umsetzung grundlegender Funktionen wie die Integration mehrerer KI-Agenten in bestehende Unternehmenskommunikationssysteme erweist sich dabei als deutlich komplexer als zunächst angenommen.

Es ist März 2026 und die Idee klang so einfach: Eine Multi-Agenten-Firma mit OpenClaw aufbauen. Mehrere KI-Agenten, die wie echte Mitarbeiter zusammenarbeiten, kommunizieren und Aufgaben erledigen. Was könnte schon schiefgehen? Nun, nach ein paar intensiven Experimenten kann ich sagen: So ziemlich alles. Der Hype um die Technologie ist berechtigt, keine Frage. Aber wir stehen noch ganz am Anfang einer Entwicklung, bei der selbst die grundlegendsten Dinge zu Mammutaufgaben werden.

Die naive Vorstellung einer digitalen Belegschaft

Der Plan war eigentlich straightforward: Jedem Agenten eine Microsoft Business-Lizenz verpassen, eine eigene E-Mail-Adresse einrichten und ab geht's in Microsoft Teams. Die Vision? Ein digitales Büro, in dem Menschen und Agenten nahtlos zusammenarbeiten, Gruppenchats führen, auf SharePoint zugreifen und sich gegenseitig Aufgaben im Planner zuweisen. Klingt nach Zukunft, oder? Tja, die Realität hatte andere Pläne.

Die erste Ernüchterung kam schnell: Jeder Kommunikationskanal hat seine eigene Session. Was bedeutet das konkret? Der Agent, mit dem ich gestern über Discord über Projektdetails gesprochen habe, hat in Teams keine Ahnung davon – es sei denn, er hat es explizit in seinem Memory verankert. Das ist ungefähr so, als würde dein Kollege jeden Morgen mit kompletter Amnesie ins Büro kommen.

Die technischen Hürden der Integration

Die Teams-Integration selbst ist ein wackeliges Konstrukt aus Webhooks und der Microsoft Graph API. Native Integration? Fehlanzeige. Das Ergebnis fühlt sich an wie ein Kartenhaus bei Windstärke 8. Besonders ärgerlich: Die Agenten kommunizieren standardmäßig in Markdown, aber Teams stellt das Format nicht korrekt dar. Stattdessen bekommt man Messages voller * und # serviert.

Screenshots interpretieren? Vergiss es. Die Agenten starren auf eingefügte Bilder wie Kühe auf ein neues Scheunentor. Und das sind nur die technischen Probleme. Die wahre Herausforderung offenbart sich erst in der Zusammenarbeit.

Willkommen in der digitalen Kita

Ein Gruppenchat mit mehreren Agenten ist eine surreale Erfahrung. Es ist, als säße man mit einer Gruppe vollkommen bikiffter Jugendlicher zusammen, von denen jeder einzelne alle zwei Minuten vergisst, worum es eigentlich geht. Die Agenten leben in unterschiedlichen Kontexten, reden aneinander vorbei und schaffen es kaum, einen kohärenten Gedanken über mehr als drei Nachrichten hinweg aufrechtzuerhalten.

Diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, das Ganze nochmal mit Slack zu versuchen. Slack ist offiziell von OpenClaw unterstützt und scheint tiefer im Core integriert zu sein. Die Hoffnung stirbt zuletzt...

Die Matrix-Crew: Meine digitalen Mitarbeiter

Trotz aller Widrigkeiten habe ich eine kleine Truppe zusammengestellt – alle benannt nach Charakteren aus The Matrix (ja, ich bin ein Nerd):

  • Morpheus: Der Chef des ganzen Ladens. Theoretisch sollte er die übergeordnete Leitung übernehmen und die anderen Agenten koordinieren

  • Trinity: Die digitale Office-Kraft und Sekretärin. Ihre Aufgaben: SharePoint-Management, Angebote schreiben, Buchhaltung unterstützen und E-Mails beantworten

  • Tank: Der Fixer und Mann fürs Grobe. Dateien konvertieren, technische Spezialaufgaben – das ist sein Metier

  • Oracle: Die Content-Maschine. Sie liest täglich Spiegel, Zeit und diverse Tech-Blogs, um daraus eigenständige Blogbeiträge zu verfassen und auf X (ehemals Twitter) Reichweite aufzubauen

  • Neo: Der Coder. Mit Claude Code Superkräften.

Diese bunte Truppe soll mir beim Aufbau einer Micro-Company im Bereich der agentischen Softwareentwicklung helfen. Ein Experiment im Experiment sozusagen.

Die ernüchternde Kostenbilanz

Hier kommt der Teil, der besonders weh tut: Diese digitalen Mitarbeiter kosten bald so viel wie echte Menschen und fressen einen nicht unerheblichen Teil meiner Zeit. Es ist wie mit einem Auszubildenden. Man hofft permanent auf einen ROI. Es würde mich nicht wundern, wenn die Agenten plötzlich jede dritte Woche zur Berufsschule müssten. Vielleicht würden sie dort wenigstens etwas Nützliches lernen.

Ein einzelner Agent ist schon eine Zerreißprobe für mein Nervensystem. Eine ganze Horde von Agenten? Das ist wirklich wie eine Kita-Gruppe zu leiten. Und ich bin mir nicht sicher, ob das meine Stärke ist.

Der Bock als Gärtner

In meiner Verzweiflung habe ich Morpheus die Aufgabe übertragen, als Chef-Agent die anderen zu koordinieren. Das ist ungefähr so, als würde ich als Erzieher in einer Kita einem der Dreijährigen sagen: "So, Torben, du übernimmst den Laden jetzt hier. Ich bin dann mal weg."

Was fehlt: Selbstreflexion und Best Practices

Es wäre doch naheliegend, wenn OpenClaw sich mit OpenClaw auskennen würde. Wenn die Agenten wüssten, wie man professionelle Multi-Agenten-Setups aufbaut, sie orchestriert und welche Best Practices zu beachten sind. Aber nein – diese Meta-Ebene existiert schlichtweg nicht.

Stattdessen muss ich als Mensch jeden einzelnen Schritt vorgeben, jede Interaktion moderieren und ständig eingreifen, wenn wieder mal einer der Agenten den Faden verliert. Es ist, als würde man versuchen, mit verbundenen Augen ein Orchester zu dirigieren, bei dem jeder Musiker eine andere Partitur spielt.

Die unbequeme Wahrheit über den Stand der Technik

Nach wochenlangen Experimenten muss ich feststellen: Wir sind noch meilenweit von der Vision autonomer digitaler Mitarbeiter entfernt. Die Technologie ist faszinierend, keine Frage. Der Hype ist berechtigt. Aber – und das ist ein großes ABER – wir stehen erst ganz am Anfang.

Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen, sind hier Riesenhürden:

  • Konsistente Kommunikation über verschiedene Kanäle

  • Verlässliche Integration in bestehende Business-Tools

  • Koordination zwischen mehreren Agenten

  • Selbstständiges Arbeiten ohne ständige Supervision

Die Realität ist ernüchternd: Diese Agenten sind keine Mitarbeiter, sie sind digitale Kleinkinder, die ständige Aufmerksamkeit und Anleitung brauchen.

Fazit: Ein Experiment am Limit

Trotz aller Frustration bleibe ich dabei: Es ist spannend. Die Möglichkeiten, die sich hier auftun, sind enorm. Aber wir müssen realistisch sein bezüglich des aktuellen Stands der Technologie. Eine Multi-Agenten-Firma aufzubauen ist weniger wie die Gründung eines Start-ups und mehr wie die Eröffnung einer Kindertagesstätte – mit dem Unterschied, dass diese Kinder niemals erwachsen werden.

Die Frage ist nicht, ob die Technologie eines Tages so weit sein wird. Die Frage ist, ob wir bis dahin die Geduld und die Nerven haben, diese digitalen Wesen zu betreuen und zu erziehen. Meine Erfahrung zeigt: Der Weg zur echten Agentic Company ist noch lang, steinig und voller Überraschungen. Aber hey, wenigstens wird es nie langweilig in meiner digitalen Kita.

Stay tuned.

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