AI Rapid Development Teil 1: Die initiale Anforderungsanalyse mit dem Kunden
Wie sich ein Software-Projekt mit KI umsetzen lässt, zeigt diese Serie anhand eines realen Beispiels: einer datenschutzsensiblen Vermittlungsplattform, vom ersten Gespräch bis zum Livegang in rund zwölf Personentagen. Der erste Teil befasst sich mit dem Anfang jedes Projekts – einem ausführlichen Gespräch und seiner Auswertung.
Ein Software-Projekt beginnt mit einem langen Gespräch
Das ist der erste Teil einer kleinen Serie darüber, wie wir bei form4 mit KI Software entwickeln. Fachlich anspruchsvoll und trotzdem zu einem Budget, das vor ein paar Jahren nicht funktioniert hätte. Vor Kurzem haben wir ein echtes Projekt auf diese Weise umgesetzt, eine datenschutzsensible Vermittlungsplattform für einen Kunden. Vom ersten Termin bis zum Livegang sind rund zwölf Personentage zusammengekommen. Damit sind wir ausgekommen.
In den nächsten Wochen beschreibe ich, wie das abläuft, Phase für Phase. Der Anfang ist überraschend altmodisch.
Es fängt mit Reden an
Am Anfang steht kein Code und kein Tool. Am Anfang steht ein mehrstündiger Termin, in dem die richtigen Leute zusammensitzen und reden.
Auf der einen Seite die Fachleute des Kunden, die genau wissen, wie ihr Geschäft läuft und was die neue Software leisten muss. Auf der anderen Seite unsere Leute, jemand für die Abläufe, jemand für die Bedienung, jemand für die Technik dahinter, jemand für den Gesamtaufbau. Alle in einem Raum. Und alle fragen so lange nach, bis die Antworten wirklich auf dem Tisch liegen.
Das klingt banal, ist es aber nicht. Das ist die eine Stelle im ganzen Projekt, an der noch echte menschliche Arbeit passiert. Alles, was danach kommt, hängt an der Qualität dieses Gesprächs.
Der vollständige Mitschnitt
Früher hat jemand auf einem Flipchart mitgekritzelt und am Ende ein Foto gemacht. Das Foto landet dann in irgendeinem Ordner und sieht keiner mehr wieder. Die Hälfte des Gesprächs ist weg, bevor der Raum leer ist.
Wir zeichnen den ganzen Termin auf und lassen ihn in Text umwandeln. Jeder Halbsatz, jede Nachfrage, jede beiläufige Bemerkung steht hinterher schwarz auf weiß da. Aus diesem Text zieht die KI dann Schritt für Schritt heraus, was inhaltlich besprochen wurde, und macht daraus einen sauber gegliederten Katalog. Seite für Seite, Punkt für Punkt, was zu tun ist und warum.
Das eigentlich Wertvolle an dem Tag ist der Mitschnitt. Jedes gesprochene Wort bleibt erhalten, auch das, was sonst mit dem Flipchart-Foto verloren geht.
Die beiläufigen Sätze
Ein Beispiel aus genau so einem Termin. Es ging um eine Auswahl, mit der Nutzer ihr Fachgebiet angeben sollten. Im ersten Stand war das dreistufig aufgebaut, erst grob, dann feiner, dann ganz fein. Sauber gedacht. Im Gespräch wurde aber schnell klar, dass das in der Praxis zu umständlich ist. Das macht keiner mit.
Aus dieser einen Rückmeldung wurde eine konkrete Designentscheidung. Statt drei Klick-Ebenen gibt es jetzt ein Suchfeld, in das man sein Fachgebiet eintippt, und die Software ordnet die Feinheiten im Hintergrund selbst zu.
Diese Erkenntnis stand in keinem Pflichtenheft. Sie fiel beiläufig im Gespräch. Hätte niemand die richtige Frage gestellt, und wäre der Satz nicht im Mitschnitt gelandet, wäre die umständliche Auswahl genau so umgesetzt worden. Wer fragt, entscheidet über die Qualität des ganzen Rests.
Der größere Zusammenhang
Die agile Softwareentwicklung hat das gründliche Vorab-Konzept als zu langsam und zu teuer abgeschafft. Lieber schnell loslegen und unterwegs nachsteuern. Der Preis dafür war, dass viel Wissen aus solchen Gesprächen nie sauber festgehalten wurde.
Genau das verschiebt sich gerade. Wenn eine KI aus einem Mitschnitt in wenigen Stunden einen strukturierten Katalog macht, kostet Gründlichkeit fast nichts mehr. Damit lohnt sich der ausführliche Termin wieder, der vor zehn Jahren als überflüssiger Aufwand galt.
Die Technik dahinter ist unspektakulär. Aufzeichnen, in Text wandeln, von der KI ordnen lassen. Den Unterschied machen die Menschen im Raum und die Fragen, die sie stellen. Ein gutes Gespräch lässt sich auswerten. Ein schlechtes auch, und dann steht eben Unsinn sauber gegliedert auf dem Papier.
Aus diesem Mitschnitt wird als Nächstes ein vollständiges Konzept nach Lehrbuch. Wie das funktioniert, kommt im zweiten Teil.
&w=3840&q=75)