AI Rapid Development Teil 3: Über hundert Tickets - und kein Mensch hat sie getippt
Aus einem fertigen Konzept werden die einzelnen Aufgaben, die ein Team später abarbeitet. Dieser Teil der Serie beschreibt, wie eine KI über hundert solcher Tickets direkt im Projektsystem angelegt hat, ohne dass jemand sie von Hand eintippen musste.
Aus einem Konzept werden über hundert Arbeitspakete, die niemand getippt hat
Das ist der dritte Teil einer kleinen Serie darüber, wie wir bei form4 Software mit KI entwickeln. Im zweiten Teil ging es um das Konzept, das die KI nach Lehrbuch aus den Anforderungen ableitet. Heute geht es um die Stelle, an der aus diesem Dokument echte Arbeit wird. Aus dem fertigen Konzept entstehen die einzelnen Aufgaben, die ein Team danach abarbeitet. Auch das hat im Projekt kein Mensch von Hand erledigt.
Zur Einordnung, falls jemand hier einsteigt: Wir haben das an einem echten Projekt durchgespielt, einer datenschutzsensiblen Vermittlungsplattform. Das ganze Projekt lag bei rund einem Dutzend Personentagen, vom ersten Gespräch bis zum Livegang.
Vom Dokument zur Aufgabenliste
Ein Konzept ist erst mal nur ein Dokument, egal wie gut es ist. Bevor jemand programmieren kann, muss daraus eine Liste werden. Einzelne, abgegrenzte Aufgaben, jede für sich verständlich und erledigbar. In der Softwareentwicklung nennt man solche Aufgaben Tickets. Sie liegen in einem eigenen System, das die ganze Arbeit verwaltet. Wir nutzen dafür Jira.
Diese Liste anzulegen ist Kleinarbeit. Jemand liest das Konzept, zerlegt es in Häppchen, schreibt jedes Häppchen sauber auf und sortiert es ein. Bei einem ernsthaften Projekt sind das schnell mehrere Tage, in denen niemand eine Zeile programmiert, sondern nur Aufgaben formuliert.
Direkter Zugang zum Ticketsystem
In diesem Projekt hat die KI das Ticketsystem nicht über Umwege bedient. Der naheliegende Weg wäre, sich von der KI Texte ausgeben zu lassen und die dann von Hand ins System zu kopieren, Aufgabe für Aufgabe. Wir haben Jira stattdessen direkt an die KI angeschlossen, über eine Schnittstelle, die genau dafür gemacht ist (im Fachjargon MCP). Die KI hatte damit ihren eigenen Zugang und legte die Aufgaben eigenhändig an, so als säße sie selbst davor.
Sie ging dabei vor wie ein ordentlicher Projektleiter. Zuerst hat sie die großen Arbeitsbereiche abgesteckt, die Überkapitel, unter denen alles Weitere einsortiert wird. Dann hat sie aus jedem Bereich die einzelnen Aufgaben herausgeschnitten. Jede davon war ausformuliert: was zu tun ist, woran man erkennt, dass es fertig ist, woran es im Konzept hängt. Am Ende standen deutlich über hundert solcher Aufgaben sauber im System, fertig zum Abarbeiten.
Die Qualität der Tickets entscheidet
Das klingt nach Fleißarbeit, die man halt erledigen muss. Es ist mehr als das. Über die Qualität dieser Aufgabenliste entscheidet sich die Qualität der ganzen Umsetzung.
Eine schwammige Aufgabe führt zu schwammigem Ergebnis. Steht in einem Ticket nur „Anmeldung umsetzen", rät derjenige, der es übernimmt, sich den Rest zusammen, und die Hälfte davon wird falsch geraten. Steht dagegen genau drin, was passieren soll, in welcher Reihenfolge, was erlaubt ist und was nicht, dann gibt es nichts mehr zu raten. Das gilt für einen Menschen am Schreibtisch genauso wie für eine Maschine.
Hier zahlt sich die Mühe aus dem zweiten Teil aus. Weil das Konzept so detailliert war, konnte die KI daraus eindeutige Aufgaben schneiden. Aus einem vagen Konzept wären vage Tickets geworden. Aus einem präzisen Konzept werden präzise Tickets.
Nachfragen statt raten
Das Beste an der Sache war für mich ein Detail, mit dem ich nicht gerechnet hatte. An den Stellen, an denen das Konzept etwas offenließ oder sich widersprach, hat die KI nicht einfach drauflosgeschrieben und sich etwas ausgedacht. Sie hat nachgefragt.
Sie hat die offenen Punkte gesammelt und auf den Tisch gelegt: hier fehlt eine Angabe, da widerspricht sich etwas, wie ist das gemeint. Diese paar Fragen klärt man einmal in Ruhe, und danach steht eine vollständige Liste, an der nichts mehr wackelt.
Wer schon mal mit einem schlechten Auftrag gearbeitet hat, weiß, wie viel das wert ist. Ein guter Mitarbeiter fragt an der richtigen Stelle nach, statt eine falsche Annahme durch das halbe Projekt zu schleppen. Genau das hat die KI hier getan.
Der größere Zusammenhang
Über hundert durchformulierte Aufgaben von Hand anzulegen, kostet Tage, in denen sonst nichts vorangeht. Hier entstand diese Liste nebenbei, als logischer Schritt aus dem Konzept. Kein eigener Posten im Zeitplan, kein eigenes Budget.
Damit setzt sich fort, was diese Serie von Anfang an zeigt. Die gründliche Vorarbeit, die man sich früher gespart hat, weil sie zu teuer war, rechnet sich wieder, sobald eine KI sie übernimmt. Erst der ausführliche Termin, dann das Konzept, jetzt die komplette Aufgabenliste. Jede Stufe setzt auf der vorigen auf, und keine davon ist mehr der teure Brocken, der sie einmal war.
Jetzt liegt eine fertige Liste da. Im nächsten Teil wird sie abgearbeitet, mit einer Qualitätskontrolle, wie man sie aus reiner Handarbeit nicht kennt.
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