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Der ganze Tag ist nur noch Reden

Mit der zunehmenden Integration von Tools in Agent-Systeme verschiebt sich der Arbeitsalltag: Statt in Dokumenten und Oberflächen zu arbeiten, besteht ein wachsender Teil der Tätigkeit darin, Anweisungen an mehrere parallel laufende Agents zu geben. Dieser Beitrag beschreibt, wie sich diese Arbeitsweise konkret anfühlt – und welche Fragen sie zur Zukunft des Arbeitens aufwirft.

Der ganze Tag ist nur noch Reden

In den letzten Monaten hat sich mein Arbeitstag fast unbemerkt verändert. Nicht durch eine einzelne Entscheidung, sondern durch viele kleine Schritte. Ich habe nach und nach immer mehr Werkzeuge an meine Agents in Claude Code angebunden, und irgendwann fand die eigentliche Arbeit kaum noch in den klassischen Programmen statt.

Wie sich der Tag zusammensetzt

Inzwischen hängt fast alles an meinen Agents: ein Content Hub, Publishing-Slots, ein Kampagnen-Tool, mehrere Ticketsysteme wie Jira, Linear und Cube, dazu die Anbindung an E-Mail. Jede Integration war für sich klein, in der Summe haben sie meinen Arbeitsalltag aber komplett umgestellt.

Wenn ich nicht gerade in einem Meeting sitze, besteht mein Tag im Wesentlichen aus zwei Dingen: Ich schicke Anweisungen in Claude, oder ich warte auf Ergebnisse. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Coding, sondern um ganz normale Alltagsaufgaben. Tickets organisieren, Texte vorbereiten, Mails entwerfen, Recherchen anstoßen. Ich öffne kaum noch ein Word-Dokument und pflege keine Ticketlisten mehr von Hand.

Weil immer Wartezeiten entstehen, laufen meistens vier, fünf oder sechs Agents parallel. Während einer recherchiert, formuliert der nächste eine Mail, ein dritter sortiert ein Backlog. Ich springe zwischen ihnen hin und her und gebe Anweisungen. Das ist erstaunlich effizient. Ich schaffe ein Vielfaches von dem, was früher an einem Tag möglich war.

Effizient, aber anstrengend

Diese Art zu arbeiten ist anstrengender, als sie klingt. Statt zwischen Programmen zu wechseln, sitze ich den ganzen Tag vor derselben Oberfläche. Der Kontextwechsel passiert nicht mehr zwischen Anwendungen, sondern zwischen Gedankensträngen. Jeder Agent verfolgt eine eigene Aufgabe, und ich muss alle gleichzeitig im Kopf behalten.

Auf den ersten Blick wirkt das eintönig. Wer mir über die Schulter schaut, sieht im Grunde nur Claude Desktop oder die CLI. Die Vielfalt steckt nicht mehr in der Werkzeuglandschaft, sondern in den Aufgaben, die im Hintergrund laufen. Die sichtbare Oberfläche ist ruhig geworden, während die Arbeit dahinter dichter ist als je zuvor.

Vom Bearbeiten zum Anweisen

Der eigentliche Bruch liegt in der Art der Tätigkeit. Früher bestand ein großer Teil meiner Arbeit darin, Werkzeuge zu bedienen: Formatierungen in Word, Layout in PowerPoint, Workflows in Jira. Viel Zeit ging dafür drauf, die Eigenheiten dieser Programme zu verstehen.

Davon ist kaum etwas übrig. Ich bearbeite Dinge nicht mehr selbst, ich beschreibe, was passieren soll. Ich prompte. Und weil ich die Anweisungen meist spreche statt tippe, fühlt es sich an wie ein durchgehendes Gespräch. Ich formuliere Aufgaben, präzisiere Ergebnisse, gebe Rückmeldung und schicke die nächste Anweisung hinterher.

Das verändert die Anforderung an die eigene Arbeit. Es kommt weniger darauf an, ein Werkzeug souverän zu beherrschen, sondern klar zu denken und klar zu formulieren. Eine ungenaue Anweisung führt zu einem ungenauen Ergebnis, und das fällt sofort auf.

Was das für Unternehmen bedeutet

Übertragen auf andere Rollen ergibt sich überall ein ähnliches Bild. Ein Veranstaltungsmanager würde nicht mehr selbst in Tabellen sitzen, sondern Aufgaben an Agenten verteilen: Dienstleister suchen lassen, Catering abwägen, einen Musikplan entwerfen, Anfragen verschicken. Die Tätigkeit besteht darin, Anweisungen zu geben und Ergebnisse zu prüfen.

Das wirkt fast wie eine Führungsrolle ohne Team aus Menschen. Eine Person dirigiert eine Gruppe von Agents und hält die Fäden zusammen. Das verlangt eine andere Haltung: nicht mehr selbst ausführen, sondern delegieren, prüfen und korrigieren.

Die offene Frage nach der Oberfläche

Eine Frage beschäftigt mich besonders: Bleibt der Chat das zentrale Interface, oder entstehen irgendwann wieder eigene Oberflächen? Darin liegt eine gewisse Ironie. Wir bewegen uns weg von klassischer Software hin zu Agents, und es ist gut möglich, dass wir am Ende für diese Agents wieder Software bauen, um sie sinnvoll zu steuern.

Sechs parallele Konversationen im Kopf zu behalten skaliert nicht endlos. Ein reines Chatfenster ist für das Überwachen vieler gleichzeitiger Vorgänge nicht ideal. Es fehlt der Überblick, welcher Agent gerade woran arbeitet, was wartet und was fertig ist. An dieser Stelle wird vermutlich eine neue Werkzeugschicht entstehen, weil das Arbeiten mit vielen Agents eine andere Übersicht braucht als ein einzelnes Gespräch.

Vorläufiges Fazit

Ich weiß nicht, wie die Arbeit von morgen genau aussehen wird. Ich weiß nur, wie sie sich für mich gerade verändert. Die ausführende Arbeit verschiebt sich zu den Agents, für mich bleibt das Kommunizieren: anweisen, präzisieren, prüfen.

Es ist eine deutlich konzentriertere Form des Arbeitens. Weniger Hantieren mit Werkzeugen, mehr klares Denken und klares Formulieren. Ob das langfristig die Regel wird, lässt sich noch nicht sagen. Für meinen Alltag ist es bereits Realität.

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