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Der Königsweg: Wasserfallmodell trifft Agilität in der Softwareentwicklung

Die Entwicklung individueller Software steht oft vor der Entscheidung zwischen agilem Vorgehen und klassischem Wasserfallmodell. Ein hybrider Ansatz kombiniert beide Methoden: Die initiale Erstellung eines MVP erfolgt strukturiert nach dem Wasserfallprinzip, während die Weiterentwicklung agil organisiert wird.

Wasserfall oder Agile? Ein hybrider Ansatz für Softwareentwicklung

Die Diskussion um Wasserfall versus Agile beschäftigt die Softwareentwickler-Community seit Jahren. Während einige auf die strukturierte Planbarkeit des Wasserfallmodells setzen, bevorzugen andere die Flexibilität agiler Methoden. Ein pragmatischer Ansatz besteht jedoch darin, beide Methodiken zu kombinieren und ihre jeweiligen Stärken gezielt einzusetzen.

Der hybride Ansatz: Eine pragmatische Alternative

Viele Softwareprojekte scheitern nicht an der gewählten Methodik selbst, sondern an deren dogmatischer Anwendung. Ein hybrider Ansatz kann hier Abhilfe schaffen: Das Projekt beginnt mit einem klar definierten Minimum Viable Product (MVP) nach dem Wasserfallmodell und geht anschließend in eine agile Weiterentwicklung über.

Diese Vorgehensweise adressiert zentrale Herausforderungen beider Methodiken: die mangelnde Flexibilität des Wasserfallmodells und die teilweise fehlende Zielorientierung in der agilen Entwicklung.

Phase 1: Der MVP im Wasserfallmodell

Die Bedeutung der Software Requirements Specification

Für die Entwicklung eines MVP bietet eine strukturierte Software Requirements Specification (SRS) eine solide Grundlage. Eine durchdachte SRS sollte folgende Komponenten enthalten:

  • Vision: Definition des Softwarezwecks

  • Stakeholder- und Actor-Analyse: Identifikation der Interessengruppen und Nutzer

  • Use-Case-Modell: Darstellung konkreter Anwendungsfälle

  • Use-Case-Spezifikationen: Detaillierte Beschreibungen einzelner Anwendungsfälle

  • Funktionale Anforderungen: Definition der Geschäftslogik

  • Domänenmodell: Strukturierung des Datenmodells

  • Nicht-funktionale Anforderungen: Performance, Sicherheit, Skalierbarkeit

  • Architektur und Tech-Stack: Festlegung der technischen Basis

  • UI-Konzept: Entwicklung von Wireframes und Storyboards

Erweiterte Dokumentation

Bei ausreichenden Ressourcen können zusätzliche Elemente wie eine Traceability-Matrix und eine detaillierte Testmodellierung die Dokumentation vervollständigen. Diese Investition in die Planungsphase erleichtert die spätere Umsetzung erheblich.

Mit einer vollständigen Anforderungsdefinition wird die Implementierung effizienter. Insbesondere bei der Nutzung KI-gestützter Codegenerierung ermöglicht eine präzise SRS eine schnellere und genauere Umsetzung.

Vorteile des Wasserfallmodells für den MVP

Das Wasserfallmodell bietet in dieser Phase klare Vorteile: Eindeutige Zielvorgaben, keine nachträglichen Richtungswechsel und eine fokussierte Umsetzung. Das Resultat ist ein stabiler, funktionsfähiger MVP mit definierter Qualität – eine solide Ausgangsbasis für die weitere Entwicklung.

Phase 2: Übergang zur agilen Entwicklung

Flexibilität nach dem MVP

Nach Fertigstellung des MVP erfolgt der Wechsel zu agilen Methoden. Mit einer funktionierenden Software können nun echte Nutzererfahrungen gesammelt werden. Relevante Fragestellungen sind:

  • Welche zusätzlichen Funktionen werden benötigt?

  • Wo bestehen Optimierungsmöglichkeiten?

  • Welche Aspekte der Software sind verbesserungswürdig?

  • Wie kann die Benutzerfreundlichkeit erhöht werden?

Backlog-Management

Die gesammelten Anforderungen fließen in das Backlog ein. Eine grobgranulare Strukturierung ist zunächst ausreichend – Details werden bei Bedarf ergänzt. Die Priorisierung erfolgt nach Kriterien wie Nutzen, technischer Aufwand und Dringlichkeit.

Der agile Entwicklungszyklus

Die Umsetzung erfolgt in iterativen Zyklen:

  1. Spezifikation und Definition of Done: Präzise Anforderungsdefinition

  2. Entwicklung: Implementierung der Features

  3. Testing: Qualitätssicherung

  4. Auslieferung: Release der neuen Funktionen

Dieser Prozess ermöglicht schnelle Anpassungen und kontinuierliche Verbesserungen basierend auf Nutzerfeedback.

Vorteile des hybriden Ansatzes

Synergien nutzen

Der hybride Ansatz vermeidet typische Probleme beider Methodiken:

  • Keine überlangen Planungsphasen wie beim reinen Wasserfallmodell

  • Keine fehlende Zielorientierung wie bei rein agiler Entwicklung

  • Stabiles Fundament durch strukturierten MVP

  • Hohe Anpassungsfähigkeit in der Weiterentwicklung

KI-Integration

Die detaillierte SRS ermöglicht eine effektive Nutzung von KI-Tools zur Codegenerierung. Dies beschleunigt die Entwicklung und ermöglicht auch kleineren Teams die Umsetzung anspruchsvoller Projekte.

Praktische Umsetzungsempfehlungen

Für die MVP-Phase

  • Ausreichend Zeit für die MVP-Definition einplanen

  • In aussagekräftige Wireframes investieren

  • Sorgfältige Dokumentation erstellen

  • Realistische Zielsetzungen definieren

Für den agilen Übergang

  • Klare Kommunikation des Methodenwechsels

  • Etablierung agiler Praktiken (Standups, Reviews, Retrospektiven)

  • Balance zwischen Flexibilität und Struktur

  • Kontinuierliche Erfolgsmessung durch KPIs

Fazit

Der hybride Ansatz stellt eine durchdachte Kombination bewährter Methodiken dar. Die strukturierte MVP-Erstellung bietet Planungssicherheit, während die agile Weiterentwicklung Flexibilität und Kundennähe gewährleistet.

Für individuelle Softwareprojekte hat sich diese Vorgehensweise als besonders effektiv erwiesen. Sie nutzt die Stärken beider Ansätze und minimiert deren jeweilige Schwächen. Eine pragmatische Herangehensweise, die methodische Grabenkämpfe überwindet und sich auf erfolgreiche Softwareentwicklung fokussiert.